Neues Vollmitglied: Bei ENERDOMO nachgefragt!

ENERDOMO-Geschäftsführer Rolf Neijman erklärt im Interview, warum er das Siegel als Vertrauensbrief versteht, was ein Haus aus dem Jahr 1962 mit Franchising zu tun hat, warum sein Beirat ohne ihn abstimmt und wofür seine Partner das System mit 1,1 benoten.

Interview: Antje Katrin Piel, Ressortleiterin Kommunikation, Deutscher Franchiseverband e.V.

1. Sie sind Vollmitglied im Deutschen Franchiseverband und haben den damit verbundenen Systemcheck kürzlich absolviert. Warum ist die zertifizierte Mitgliedschaft im Deutschen Franchiseverband für Sie wichtig?

„In der Franchise-Szene kennt jeder diese Geschichte: Ein Mann, Anfang fünfzig, fünfundzwanzig Jahre Ingenieur bei einem Automobil-Zulieferer. Die Stelle ist weg, die Abfindung schmilzt Monat für Monat. Vor ihm liegt sein Businessplan, ihm gegenüber sitzt der Kreditsachbearbeiter seiner Hausbank. Irgendwann kommt die unvermeidliche Frage: Wie stabil ist das Franchisesystem, in das Sie einsteigen? Der Gründer kann das noch nicht sicher beurteilen, die Systemzentrale ist Partei. Antworten kann nur jemand, der uns unabhängig geprüft hat. Das Siegel der Vollmitgliedschaft heftet der Gründer in seinen Businessplan, und die Bank honoriert es.

Genau dafür ist der Systemcheck da. Im Außenhandel gibt es den Letter of Credit: Eine Bank bürgt für die Zahlung, damit zwei Seiten, die sich nicht kennen, miteinander Geschäfte machen können. So verstehe ich das Siegel: als Vertrauensbrief für den Gründer, seine Bank und seine Familie, die mitentscheidet.

Und es verpflichtet uns. Der Verband nennt seine Vollmitglieder eine Qualitäts-gemeinschaft. Das Wort nehmen wir ernst. Mit dem Beitritt gilt für uns sein Ethikkodex, und in dessen Präambel steht, dass Menschlichkeit und Wirtschaftlichkeit einander bedingen. Klingt nach Sonntagsrede, ist bei uns aber das Fundament. Unsere Interessenten, liebevoll ENERDOMO.Newbies genannt, merken das im ersten Gespräch: Beim Kennenlernen kommen die Zahlen unserer Partner auf den Tisch, und was wir zusagen, gilt. Und wer abends über seinen Zahlen brütet, hat neben der Systemzentrale bereits während der Gründung einen erfahrenen ENERDOMO.Partner als Mentor und Sparringspartner an seiner Seite.“

2. Wie sehen Sie Franchising allgemein?

„Ich komme aus dem hochwertigen Markenvertrieb. Bei Cartier, EBEL und JOOP! habe ich gelernt, was eine konsequent geführte Marke leistet: Sie arbeitet für dich, bevor du den Mund aufmachst. Danach habe ich als Trainer Director National beim Marktführer für Empfehlungsmarketing BNI hunderte Solopreneure trainiert und viele Einzelkämpfer gesehen, die alles allein erfinden mussten. Im Rahmen einer BNI-Veranstaltung habe ich Dr. Günter Faltin, Pionier des Entrepreneurship in Deutschland und Autor von ‚Kopf schlägt Kapital‘, für seinen Vortrag ‚David gegen Goliath‘ ins Deutsche Filmmuseum nach Frankfurt geholt. Seine Idee, mit bewährten Komponenten zu gründen, statt alles neu zu erfinden, war die Keimzelle von ENERDOMO.

Franchising ist für mich die Verbindung aus beidem: eine Marke, die vorausgeht, und eine Gemeinschaft, die Produkt und Qualität verantwortlich umsetzt und bundesweit zum einheitlichen Kundenerlebnis macht. Du wirst mit starken Marke selbstständig und hast vom ersten Tag an eine umsetzungsstarke Mannschaft im Rücken. Für den Partner vor Ort heißt das praktisch: Er bekommt den Termin beim Hausbesitzer, weil der Name ENERDOMO echtes Vertrauen schafft, und muss nicht über den Preis verkaufen. So wird aus Marke Ertragskraft.

Ich kenne aber auch den Ruf von Franchising: Handbuch, Kleingedrucktes, Zentrale oben, Partner unten. Das wollte ich für uns ändern. Deshalb wählen bei uns die Partner den Beirat, und ich sitze darin ohne Stimmrecht. Beraten wird der Beirat unter anderem von Waltraud Martius, Autorin von ‚Fairplay Franchising‘. Aus ihrem Buch haben wir viel übernommen. Eine Marke machen am Ende die Menschen, die sie tragen. Dazu passt, dass wir uns komplett selbst finanzieren: kein Investor, kein externer Kapitalgeber, niemand, der nur auf seine Rendite schaut. So bewahren wir unsere Unabhängigkeit, und die Entscheidungen fallen bei uns und unseren Partnern, nicht in einem fremden Aufsichtsgremium. Unsere Mitarbeiter beteiligen wir sogar am Umsatz und am Gewinn. Und unseren Partnern sage ich immer: Ihr arbeitet nicht für ENERDOMO. Ihr seid ENERDOMO.“

3. Und wo sehen Sie besondere Chancen für Ihr Franchisesystem?

„Nehmen Sie ein Haus, Baujahr 1962, Ölheizung, Energieklasse G. Davon gibt es in Deutschland Millionen: Von rund 19,5 Millionen Wohngebäuden gelten etwa 15,7 Millionen als sanierungsbedürftig, saniert wird weniger als ein Prozent pro Jahr. In diesem Tempo brauchen wir über hundert Jahre. Da ist Platz. Verdammt viel Platz für Menschen, die beruflich etwas bewegen wollen.

Noch spannender finde ich diese Zahl: 95 von 100 Hausbesitzern wissen nicht, dass eine unabhängige Energieberatung der erste Schritt ist. Sie ersetzen die Öl- oder Gasheizung durch eine Wärmepumpe und heizen weiter ein undichtes Haus – die falsche Reihenfolge. Hier muss jemand vor Ort aufklären. Digitale Plattformen machen Energieberatung zur austauschbaren Ware und den Berater zum anonymen Lieferando-Fahrer. Davon halte ich nichts. Wir setzen auf einen Menschen aus der Region, den man anrufen kann. Er bringt Hausbesitzer und Handwerker an einen Tisch, kümmert sich um die Fördermittel und begleitet die Sanierung bis zur Schlüsselübergabe, etwa im 22-Tage-Sanierungssprint.

ENERDOMO ist laut Jan Schmelzle, Geschäftsführer des Deutschen Franchiseverbands, das erste Franchisesystem der Gebäude-Energieberatung in Deutschland. Wir nennen es ‚das ORIGINAL‘. Über 30 von 80 geplanten Regionen sind belegt, attraktive Standorte wie München, Köln und Leipzig noch frei. Meine Vision für 2031: Jede energetische Sanierung beginnt beim ENERDOMO-Partner vor Ort, so selbstverständlich, wie man Tempo sagt und Taschentuch meint. Wer jetzt einsteigt, kann sich seine Region noch aussuchen.“

4. Was muss Ihr Wunschpartner mitbringen?

„Ich bin Niederländer und sage es direkt: Wer einen bequemen Nine-to-five-Job sucht, ist bei uns falsch. Wir suchen Quereinsteiger, die anpacken: aus dem Maschinenbau, aus der Immobilienwirtschaft, aus dem Vertrieb. Patrik Brings war so einer: 25 Jahre in der Automobilindustrie, dann wollte er etwas, das wieder Sinn ergibt. Heute führt er ENERDOMO Koblenz. Architektin Natalie Piras hat angestellt im Pilotbetrieb angefangen und leitet heute ENERDOMO Frankfurt. Kerstin Matthes kam aus der Qualitätssicherung eines Baustoffkonzerns und führt ENERDOMO Darmstadt. Finanzfachwirt Rainer Schütterle von ENERDOMO Karlsruhe hat Profifußball in der Bundesliga gespielt und bei uns einen Teamgeist etabliert, der uns in die Champions League bringen soll. Energieberater muss also vorher niemand gewesen sein: In unserer Akademie in Königstein bilden wir je nach Vorqualifikation in 27 Präsenztagen zum BAFA-zertifizierten Gebäude-Energieberater aus, auch ohne Meisterbrief.

Mitbringen müssen alle Verbindlichkeit und hanseatische Handschlag-Mentalität. Montagmorgens treffen wir uns zum ‚Start in die Woche‘. Der Termin für den Austausch untereinander ist Pflicht, genau wie der Betriebsvergleich im Quartal, bei dem jeder seine Zahlen offenlegt. Dazu kommt Freude an Menschen, denn unsere Aufträge entstehen über Empfehlungen von Handwerkern, Maklern und Banken.

Unser Einstieg hat elf Schritte, vom ersten Zoom-Gespräch über Hospitation, Businessplan und eine externe Tragfähigkeitsprüfung bis zur Unterschrift. Dabei gilt: nach jedem Schritt eine Nacht darüber schlafen. Im vergangenen Jahr haben sich so 1.050 Menschen beworben, Partner wurden nur wenige. Wir sieben streng, ganz im Sinne des Ethikkodex, denn wir suchen Partner für viele Jahre. Ein Partner, der nach zwei Jahren aufgibt, ist für beide Seiten eine Niederlage. Deshalb sagen wir nach schmerzhaften Erfahrungen mittlerweile viel früher auch mal Nein. Wer Freiheit mit Beliebigkeit verwechselt, ist bei uns falsch. Wenn jeder nur an sich denkt und ‚sein Ding macht‘, schadet er dem Franchisesystem und damit in erster Linie seinen Franchise-Kollegen. Die gilt es vor Egoisten zu schützen.“

5. Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Systemcheck?

„Die Prüfer der Bewertungsgesellschaft wollten harte Belege sehen. Sie haben unseren Franchisevertrag gelesen, die Know-how-Dokumentation mit unseren konkreten Abläufen und einen soliden Businessplan auf Basis der Ist-Zahlen bestehender Betriebe auf Plausibilität geprüft und ins Verhältnis zu anderen Franchisesystemen gesetzt. Genauso gründlich nahmen sie sich die vorvertragliche Aufklärung, Konflikte und Abgänge vor. Ich gebe zu: Da bin ich ein paar Mal ganz schön ins Schwitzen gekommen. Parallel wurden unsere Franchisepartner anonym befragt. Danach kamen Vertiefungsgespräch, Stellungnahme der Prüfer und die Entscheidung des Verbands. Manches, was wir seit dem ersten Tag selbstverständlich tun, nehmen wir jetzt noch ernster. In 18 Monaten steht die Re-Zertifizierung an, und da wollen wir wieder bestehen.

Positiv überrascht hat uns die Zufriedenheit unserer Franchisenehmer: Im Testat, dem Prüfbericht des Systemchecks, haben wir die Gesamtnote 1,1 bekommen. Das freut mich am meisten, legt die Latte aber auch hoch. In unserer Branche arbeiten fast alle als Einzelkämpfer, ein geprüftes Franchisesystem gab es vor uns nicht. In zweieinhalb Jahren ist daraus eine echte Gemeinschaft geworden. Das ist vor allem das Verdienst unserer Partner, und dafür bin ich ihnen dankbar.“

ENERDOMO auf einen Blick

Gebäude-Energieberatung mit Systemzentrale und eigener Akademie in Königstein im Taunus.

Laut Deutschem Franchiseverband das erste Franchisesystem der Branche in Deutschland – das ORIGINAL; Vollmitglied seit September 2026; Franchisenehmer-Zufriedenheit im Testat: Gesamtnote 1,1. Über 30 von 80 geplanten Regionen belegt (Stand Oktober 2026); rund 1.050 Bewerbungen im Jahr. Akademie: je nach Vorqualifikation 27 Präsenztage bis zum BAFA-zertifizierten Gebäude-Energieberater, auch ohne Meisterbrief. Beirat von den Franchisepartnern gewählt, der Geschäftsführer hat kein Stimmrecht; externe Beraterin Waltraud Martius (SYNCON).

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