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Der ERP-Förderkredit für Gründung und Nachfolge – ein Schlüssel zu tragfähigen Franchisefinanzierungen

Franchisegründungen sind für Bürgschaftsbanken kein Neuland. Im Gegenteil: Kaum ein anderes Geschäftsmodell verbindet unternehmerische Eigenverantwortung so konsequent mit erprobten Strukturen. Genau diese Kombination macht Franchiseprojekte aus Sicht der Bürgschaftsbanken besonders finanzierungswürdig. Für sie spielt gerade der Systemcheck des Deutschen Franchiseverbandes eine wichtige Rolle als Instrument zum Nachweis von Qualität und Transparenz. Die Prüfung zentraler Parameter der Systeme – von der wirtschaftlichen Konzeption über die Vertragsarchitektur bis hin zur operativen Unterstützung der Partner – schafft eine belastbare Informationsgrundlage im Vorfeld der Finanzierung. Auch wenn das Siegel die individuelle Bonitäts- und Risikoanalyse nicht ersetzt, kann es die Entscheidungsfindung beschleunigen. Ein erfolgreich absolvierter Systemcheck signalisiert Bürgschaftsbanken vor allem Stabilität. Belastbare Zahlen, standardisierte Businesspläne und Erfahrungswerte aus vergleichbaren Standorten erleichtern die Risikoanalyse erheblich.

Bild: sshutterstock © furrioo

Der Weg zum Geld

Mit dem ERP-Förderkredit für Gründung und Nachfolge aus dem European Recovery Program (ERP) steht seit November 2024 ein zusätzliches Instrument zur Verfügung, das auch für Franchisefinanzierungen interessant ist. Mit dem Programm werden Investitionen, Unternehmensübernahmen und Betriebsmittelfinanzierungen gefördert. Finanziert werden bis zu 35 Prozent eines Vorhabens mit Kreditsummen bis maximal 500.000 Euro, ohne dass klassische Sicherheiten erforderlich sind. Die Bürgschaftsbanken übernehmen 100 Prozent des Kreditrisikos gegenüber der Hausbank, abgesichert durch eine Rückgarantie des Bundes. Für die finanzierende Bank entfällt damit das Ausfallrisiko für diesen Finanzierungsbaustein vollständig – ein seltener Fall in der Mittelstandsfinanzierung. Gerade bei Franchisegründungen oder -nachfolgen, bei denen Investitionen häufig in immaterielle Werte fließen – etwa Markenrechte, Systemgebühren oder Schulungen –, kann das ein entscheidender Vorteil sein. Der ERP-Förderkredit für Gründung und Nachfolge senkt Markteintrittsbarrieren, erleichtert Nachfolgen und sorgt dafür, dass tragfähige Geschäftsmodelle nicht an formalen Eigenkapitalquoten scheitern. Gut zu wissen: Auch weitere Fremdmittel können parallel zum ERP-Förderkredit von der Bürgschaftsbank mit bis zu 80 Prozent abgesichert werden. Für Bürgschaftsbanken ist das nicht Selbstzweck, sondern Teil ihres Auftrags, wirtschaftlich sinnvolle Vorhaben möglich zu machen, – gerade dort, wo private Sicherheiten fehlen, das unternehmerische Konzept aber überzeugt.

Franchisesysteme: Solide Finanzierung ist Systempflege

Für Franchisesysteme ist klar: Der Erfolg des Netzwerks steht und fällt mit der finanziellen Stabilität der Partner. Unterfinanzierte Standorte sind kein individuelles Problem, sondern wirken ins gesamte System. Genau deshalb gewinnt der ERP-Förderkredit für Gründung und Nachfolge auch für Franchisegeber immer mehr Bedeutung. Das Programm erleichtert Gründungen und Übernahmen, weil es ohne klassische Sicherheiten auskommt und durch die Bürgschaftsbanken vollständig abgesichert ist. Für das Franchisesystem kann das bedeuten: mehr geeignete Bewerber, weniger Abbrüche in der Finanzierungsphase und bessere Startbedingungen für neue Partner. Gerade bei Nachfolgen ist das ein entscheidender Hebel.

Bestehende Standorte lassen sich leichter übergeben, Modernisierungen können direkt mitfinanziert werden, und das Franchisesystem verliert keine wirtschaftlich gesunden Betriebe aus reinen Liquiditätsgründen.

Franchisenehmer: Finanzierung ohne Bauchschmerzen

Aus Sicht vieler Franchisenehmer fühlt sich Finanzierung oft anders an als das eigentliche Unternehmertum, das dort beginnt, wo Kunden kommen, Mitarbeitende geführt werden und der Betrieb läuft. Finanzierung dagegen folgt einer eigenen Logik. In Bankgesprächen geht es nicht nur um Marke, Konzept oder den betrieblichen Alltag, sondern insbesondere auch um Sicherheiten, Eigenkapitalquoten und formale Kriterien. Selbst ein erprobtes Franchisesystem schützt nicht davor, dass private Vermögensverhältnisse stärker in den Fokus rücken als die operative Leistungsfähigkeit eines Standorts. Diese Trennung zwischen unternehmerischem Alltag und Finanzierungsrealität empfinden viele als Bruch.

Wirtschaftliche Tragfähigkeit des Geschäftsmodells im Fokus

Genau hier setzt der ERP-Förderkredit für Gründung und Nachfolge an. Er verbindet die unternehmerische Realität von Franchisenehmern mit den formalen Anforderungen der Finanzierung, indem er den Fokus vom privaten Sicherheitenprofil auf die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Geschäftsmodells verlagert. Durch die 100-prozentige Risikoübernahme der Bürgschaftsbanken, abgesichert durch eine Bundesrückgarantie, muss die Hausbank das Kreditrisiko nicht selbst tragen. So rücken Businessplan, Standortkonzept und Systemstärke eher in den Mittelpunkt der Entscheidung als persönliche Vermögenswerte. Entscheidend ist, ob der Standort wirtschaftlich funktioniert – nicht, ob privates Vermögen verpfändet werden kann. Hinzu kommen planbare und lange Laufzeiten sowie tilgungsfreie Anlaufjahre, die der unternehmerischen Praxis entsprechen: Umsätze wachsen schrittweise, Prozesse müssen sich einspielen, Personal wird aufgebaut. Liquidität in dieser Phase ist kein Luxus, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor. Für viele Franchisenehmer ist der ERP-Förderkredit für Gründung und Nachfolge in Verbindung mit der Rückendeckung der Bürgschaftsbanken deshalb weniger ein klassisches Förderprodukt als ein Ermöglicher: Er macht den Schritt in die Selbstständigkeit kalkulierbarer – und nimmt einen Teil der finanziellen Schwere aus einer ohnehin großen Entscheidung.

PRAXIS-CHECKLISTE ERP-FÖRDERKREDIT GRÜNDUNG UND NACHFOLGE

Passt das zu meinem Franchisevorhaben?

  • Gründung oder Nachfolge im Franchise

  • bis zu 35 Prozent eines Vorhabens mit einer Kreditsumme von max. 500.000 Euro
  • kaum klassische Sicherheiten vorhanden
  • tragfähiges Franchisekonzept und Standort
  • belastbarer Businessplan und Liquiditätsplanung
  • frühzeitige Vorbereitung der Finanzierung

Schritte zur Beantragung

  1. Planung: Businessplan, Kapitalbedarf und Standortkonzept erstellen
  2. Hausbank: Finanzierungsgespräch führen (kein Direktantrag)
  3. Bürgschaftsbank: Risikoübernahme und Förderprüfung
  4. Zusage: Kreditvertrag zu ERP-Konditionen
  5. Umsetzung: Auszahlung und Start – mit tilgungsfreier Anlaufphase

Wie Franchisegeber unterstützen können

  • Realistische Investitions und Anlaufkosten transparent darstellen
  • Standardisierte Businesspläne und Standortkennzahlen bereitstellen
  • Systemcheck aktiv kommunizieren
  • Frühzeitig auf ERP-Förderkredit für Gründung und Nachfolge sowie Bürgschaftsbanken hinweisen
  • Nachfolgen strategisch begleiten (Übernahme, Modernisierung, Übergang)

GUY SELBHERR

Vorsitzender des Verbandes Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB) e. V.

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