STARKES FUNDAMENT FÜR UNTERNEHMERTUM
Im Interview mit Thorsten Frei, Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes
Interview: Vincent Berckenhagen, Leiter Politik & Internationales Deutscher Franchiseverband

Foto: © Tobias Koch
Herr Bundesminister Frei, was verbinden Sie persönlich mit dem Geschäftsmodell Franchise?
Es ist eine spezielle Form des Unternehmertums. Und ich zolle jedem Respekt, der den Schritt in die Selbstständigkeit wagt. Außerdem verbinde ich mit diesem Geschäftsmodell bekannte und zuverlässige Angebote. Wenn ich spätabends vom Büro nach Hause gehe, esse ich hin und wieder gern in Fast-Food-Restaurants von Franchiseunternehmen. Beim Franchise bieten bewährte Geschäftsideen ein starkes Fundament für Existenzgründungen und befeuern so den Mut zur Selbstständigkeit.
Sie selbst waren viele Jahre Oberbürgermeister und wissen, wie sich bundespolitische Entscheidungen auf den Mittelstand vor Ort auswirken. Beeinflussen diese Erfahrungen Ihre Arbeit als Chef des Bundeskanzleramts?
Selbstverständlich. Als Oberbürgermeister konnte ich tagtäglich beobachten, welchen Einfluss Entscheidungen der Bundespolitik auf die Menschen und Unternehmen vor Ort haben. Und als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter pflege ich natürlich einen regelmäßigen Gedankenaustausch mit den lokal ansässigen Unternehmen, um deren Herausforderungen zu verstehen und diese mit nach Berlin zu nehmen.
Viele Unternehmer stehen aktuell unter erheblichem Druck. Zugleich gibt es eine große Erwartung an klare Impulse aus der Bundespolitik, und speziell aus Ihrem Haus. Wo sehen Sie derzeit die wichtigsten Ansatzpunkte, um Unternehmertum nachhaltig zu stärken?
Wir müssen eine Menge Hürden abbauen. So hat die unionsgeführte Bundesregierung umgehend ein Sofortprogramm beschlossen, um die Energiekosten zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu verbessern. Wir bezuschussen die Übertragungsnetzkosten mit 6,5 Milliarden Euro und entlasten die Wirtschaft von der Gasspeicherumlage, um nur einige Beispiele zu nennen. Auch die teils überbordende Bürokratie müssen wir in den Griff bekommen, um Gründung und Wachstum von Unternehmen zu vereinfachen. Auch hier ist vieles bereits angestoßen, und die Entlastung für die Wirtschaft beläuft sich mittlerweile auf drei Milliarden Euro. Verfahren sollen vereinfacht und beschleunigt werden, Berichts- und Dokumentationspflichten entfallen und Interaktionen mit staatlichen Stellen digitaler werden. Um das zu erreichen, haben wir eine Modernisierungsagenda für Staat und Bundesverwaltung und – zusammen mit den Ländern – eine föderale Modernisierungsagenda beschlossen, die wir mit Nachdruck umsetzen. Zudem fördern wir Investitionen, damit deutsche Unternehmen ihre Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit langfristig steigern und so Arbeitsplätze schaffen können. Die Bundesregierung hat zu Beginn ihrer Amtszeit eine Investitionsinitiative eingeleitet und umgesetzt. Konkret bedeutet das höhere Abschreibungsbeträge und Liquiditätsvorteile für Unternehmen, die bis Ende 2027 in neue Maschinen, Anlagen und Digitalisierung investieren. Darüber hinaus wird die Körperschaftssteuer ab 2028 stufenweise von 15 auf zehn Prozent abgesenkt, damit wir auf ein international wettbewerbsfähiges Steuerniveau kommen. Das ist die größte Unternehmenssteuerreform seit 15 Jahren. Parallel werden auch Personengesellschaften, also insbesondere der familiengeführte Mittelstand, durch Senkung des Thesaurierungssteuersatzes entlastet.




